Informatives

Spinnaker-Tücher

 

Schon zu Beginn meiner Drachenbauzeit habe ich mich darüber gewundert wie unterschiedlich schnell die Tücher der verschiedenen Hersteller alterten. Optisch besonders deutlich wurde dies bei den Farben wobei die Leuchtfarben schon nach kürzester Zeit ausblichen.                                                                                          Leider beschränkte sich zu jener Zeit, die Auswahl an Tüchern bei den ortsansässigen Händlern auf  ‚Carrington’ und das etwas teurere ‚Toray’. Später kamen noch ‚Heathcoat’ und ‚Polyant’ hinzu. In manchen Läden wussten die Verkäufer aber nicht einmal was für ein Tuch sie verkauften. So musste man das nehmen welches gerade verfügbar war. Aus diesem Grund fielen die Vergleichsmöglichkeiten eher bescheiden aus.

Im Gegensatz dazu hat man im heutigen Internet-Zeitalter ganz andere Möglichkeiten bei der Beschaffung bzw. Materialauswahl.

Gerade deshalb wundert es mich das scheinbar kaum jemand ein Interesse daran zu haben scheint wie es um die Materialeigenschaften und deren Haltbarkeit bestellt ist.

Dieses wiederum ist doch sehr verwunderlich da doch einiges an Arbeit und Kosten in vielen Bauprojekten steckt und man somit an einer möglichst langen Werterhaltung interessiert sein sollte.

Ein Drachenhändler erzählte mir in einem Gespräch über Spinnaker-Tücher einmal das als er ein Ausstellungsstück, welches einige Zeit im Schaufenster gehangen hatte herunter nehmen wollte, sich das Tuch total zersetzt hatte und der ganze Drachen bei der ersten Berührung in sich zusammen fiel wobei das Tuch zu Staub zerbröselte.

 

Nachdem ich im Laufe der Jahre schon einige Gartenwindspiele aus den verschiedensten Tüchern gebaut hatte kam mir die Idee die UV- bzw. Lichtbeständigkeit einmal anhand von Fotos zu dokumentieren. Gartenwindspiele eignen sich dafür besonders weil sie, im Gegensatz zu Drachen und Leinenschmuck, ständig dem Wetter ausgesetzt sind und somit natürlich schneller verwittern.

Um die einzelnen Materialien miteinander vergleichen zu können sind Diese, wenn möglich, parallel im Einsatz. Aber auch wenn die Möglichkeit nicht besteht so lassen sich doch ungefähre Rückschlüsse auf deren Alterungsbeständigkeit, anhand des Zeitraumes in der die Tücher der Witterung ausgesetzt waren, ziehen.

Ein Beispiel: Mein letztes Windrad, aus Paratex Ripstop Nylon D40, stand 7 Monate im Garten.

Nachfolgend ein paar Bilder mit jeweils einem Stück Originaltuch links sowie vom Windrad rechts.

 

Von den Farben orange, rot und magenta ist so gut wie nichts mehr übrig geblieben während sich goldgelb, hellblau, hellgrün, braun und besonders dunkelgrün relativ gut gehalten haben. Unabhängig davon hat die Reißfestigkeit extrem gelitten und gleicht mittlerweile einem Blatt Papier.                                                                                         Da ich meine Gartenwindspiele aus den Resten anderer Bauprojekte herstelle ist es um so ärgerlicher wenn sich im Nachhinein herausstellt das dass verbaute Tuch nicht so wetterbeständig ist und somit die falsche Wahl war.                                                          Als Konsequenz daraus setze ich meine Drachen und Co. nicht unnötig der Sonne aus sondern sie verschwinden nach dem Fliegen in ihren Taschen. Auch meine Spinnaker-Vorräte lagern lichtgeschützt aufgerollt, in Kartons, im Keller.                                       Wer an möglichst langer Werterhaltung seiner 'Schätze' interessiert ist sollte Spinnaker, wenn es einmal mit Salzwasser in Kontakt gekommen sein sollte, möglichst noch vor dem Antrocknen, mit Süßwasser abspülen um die aggressiven Salzkristalle zu entfernen (Dusche oder Wasserschlauch).                                                                                     Ratsam ist es auch beim Tuchbedarf für ein Bauprojekt etwas großzügiger zu planen denn bei einem eventuell nötig werdenden Nachkauf kann es sein das Dieser aus einer anderen Charge des Herstellers stammt. Dabei sind (wie bei Tapeten) Farbabweichungen nicht auszuschließen.

Ein anderes Phänomen bei einigen Spinnakersorten sind die Probleme mit der Haltbarkeit Ihrer Beschichtungen welche sich in Form von Weißbruch äußern oder im Extremfall sogar ganz ablösen können. Dies ist nicht nur optisch sehr störend sondern die Widerstandsfähigkeit (Dreck, Feuchtigkeit usw.) des Stoffes wird dadurch in erheblichem Maße eingeschränkt.                                                                                    Das Eigenartige ist das oft bei ein und derselben Tuchsorte nur bestimmte Farbstellungen davon betroffen sind.                                                                       Aufgrund der Tatsache das Stabdrachen für den Transport überwiegend gleichmäßig aufgerollt werden ist Weißbruch bei Diesen nicht das primäre Problem sondern eher die flächenweise Ablösung.                                                                                                    Im Gegensatz dazu werden die Stablosen, Leinenschmuck und Windspiele mehr oder minder stark in Ihre Behältnisse gestopft und oft noch zusätzlich komprimiert. Die dadurch entstehenden Knitterfalten belasten das Spinnaker enorm und begünstigen somit das Auftreten von Weißbruch.

Weißbruch

flächige Ablösung der BeschichtungNoch ein hilfreicher Tipp für 'Neulinge':                                                                            Bei einseitig beschichteten Spinnaker-Tüchern, wie z.B. D40, ist es nicht immer ganz einfach zu sehen bzw. zu fühlen welches die vordere Seite ist. Dies lässt sich mit Hilfe eines 'Edding' oder ähnlichem Fasermaler leicht herausfinden in dem man mit dem Stift auf beide Tuchseiten einen kleinen Strich macht. Dort wo die Farbe, durch den Kapillareffekt, leicht in die Verstärkungsfäden verläuft (ausblutet) hat das Tuch keine Beschichtung. 

Eine informative Auflistung unterschiedlicher Tücher und deren Eigenschaften findet sich auf folgender Seite:

http://www.drachenwelt.at/drachentuecher.htm

 

Drachenleinen

Je nach Material sind Drachenschnüre, neben der natürlichen Alterung, auch durch unterschiedliche Beanspruchungen und äussere Beeinflussungen mehr oder weniger starkem Verschleiß unterworfen. Die Pflege dieses wertvollen Bindeglieds zwischen Pilot und Drachen wird von vielen Drachenfliegern nur stiefmütterlich behandelt. Um die optimalen Eigenschaften sowie die Lebensdauer der Leinen möglichst lange zu erhalten ist es ratsam einige Dinge zu beachten.                                                                          Die Schnüre sollten nicht unnötig abgerollt auf dem Boden liegen gelassen werden denn nicht jeder beachtet diese und tritt darauf oder stolpert gar über sie. Außerdem sind sie so der schädlichen UV-Strahlung ausgesetzt was z.B. speziell Aramid (Kevlar) schnell altern lässt. Auf die negativen Auswirkungen des Urins von an die Leinen pinkelnden Hunden möchte ich hier nicht weiter eingehen...                                                            Eine besondere Belastung stellt der Kontakt mit Salzwasser da weil die Salzkristalle den Fasern nicht nur chemisch sondern wenn sie getrocknet sind, wie z.B. auch bei Sand, mechanisch stark zusetzen. Deshalb sollte die Schnur anschließend mit Süßwasser ausgewaschen werden. Ich habe mir zu diesen Zweck, für unterschiedliche Leinen, mehrere Vorrichtungen gebaut. Darauf wird die jeweilige Schnur drall-frei aufgewickelt und mit einem Gummiband gesichert. 

Dieses Bild zeigt ein Modell aus Holz: Der Vorteil bei dieser Halterung besteht darin das die zu reinigende Schnur, bis auf die vier Ecken, nirgendwo aufliegt und so optimal gereinigt werden kann.

Alternativ kann man sie auch um einen oder mehrere Schwämme wickeln. Anschließend wird das Ganze einige Zeit (über Nacht) in ein Gefäß mit Süßwasser gelegt oder in der Waschmaschine bei 30 Grad, ohne Zusatz von Waschmittel, gewaschen. So lösen sich die schädlichen Substanzen bzw. werden aus den Fasern ausgespült. Um der Bildung von Stockflecken vorzubeugen müssen die Schnüre erst trocknen bevor sie wieder auf Haspeln, Spulen oder Winder aufgewickelt werden.                                                   Wichtig ist auch keine nassen Einleiner-Schnüre aus Nylon und Polyester unter Zug aufzuwickeln da sich diese im feuchten Zustand dehnen. Wenn sie dann auf der Haspel bzw. Spule trocknen ziehen sie sich wieder zusammen. Dabei entstehen so starke Kräfte das der Spulenkörper oder die Haspel zerstört werden können.                             Zu Hause sollten die Schnüre trocken und dunkel gelagert werden.

 

 

Anbringen von Leinenschmuck in die Hauptleine eines Drachen

Um Leinenschmuck und Windspiele von kleiner bis mittlerer Größe in die Flugleine eines Drachen einzuhängen benutze ich ´O-Ringe` mit verschiedenen Durchmessern und Stärken, welche mittels Buchtknoten an der Leine befestigt werden.

Diese Methode eignet sich natürlich auch um mit kleineren Drachen und Nebenleinen einen ´Drachenbaum` zu installieren.

Besonders bei unter starkem Zug stehender Flugleine gelingt das Anbringen und Lösen von solchen Ringen ganz einfach. Im Gegensatz zu der vielfach empfohlenen Variante, wobei ein Karabiner mit 3 - 5 Wicklungen in der Leine befestigt wird, besteht hier nicht die Gefahr dass die Flugleine beschädigt und damit die Reißfestigkeit Dieser reduziert werden könnte. Ein weiterer Nachteil ist das bei nicht stramm gespannter Leine ein Karabiner gerne mal verrutscht während dies mit einem fest angezogenen O-Ring nicht so schnell passiert.

Die flexiblen O-Ringe um die Leine herum mit Buchtknoten anbringen.

 

Weil die Ringe, duch den Alterungsprozess, im laufe der Jahre spröde bzw. brüchig werden können sollten Sie selbstverständlich regelmäßig auf Risse oder andere Beschädigungen kontrolliert und ggf. ersetzt werden.

 

Drachenläden

Anfang der 1980er Jahre wurden Drachen sowie ein überschaubares Angebot von Zubehör üblicherweise noch nebenher in Spielwarenläden bzw. den Spielzeugabteilungen der Kaufhäuser sowie in Geschäften für Bastel und Hobbybedarf angeboten. Erst einige Jahre später eröffneten dann in Deutschland die ersten speziellen Drachenläden. Einer auf den ich, durch seinen farbigen Katalog, aufmerksam wurde war `Christopher Drachen`. Dieser belieferte viele Läden und war, nach eigenen Angaben, das erste Drachenfachgeschäft und Drachenversand in Europa mit eigener Drachenproduktion seit 1976. In dem Drachenjournal und der Drachenpost wurden nicht nur Drachen nebst Zubehör feilgeboten sondern es gab auch andere nützliche Tipps und Tricks oder auch Infos wo sich Fluggelände befanden und Termine für Drachenfeste.

Mit dem aufkeimenden Boom wuchs die Zahl neuer Drachenläden gegen Ende des Jahrzehntes stetig. Auch viele Baumärkte wurden auf diesen Trend aufmerksam und richteten extra Drachenecken ein.

Besonders angesagt waren zu dieser Zeit Lenkdrachen. Viele davon hatten gerade Schleppkanten so dass man die Drachen oft über mehrere Kilometer hören konnte was dann mancherorts schnell zu Problemen wegen Lärmbelästigung führte und schließlich in Flugverboten endete. Dieser Trend ging aber relativ schnell vorüber. Heute fliegt die Mehrzahl der `Zappeldrachenflieger`, stetig weiterentwickelte, Trickdrachen welche mit den Flugeigenschaften der ersten Generationen nicht mehr zu vergleichen sind. Daneben gibt es aber auch noch Speed- und Powerdrachen. Für viele heutige `Einleinerflieger`waren die Lenkdrachen der Einstieg in die Welt der Fesseldrachen.

 

Drachenlektüre

Zeitschriften speziell für Drachenflieger gibt es auch erst seit dieser Zeit. Viele Vereine hatten zwar schon vorher eigene Hefte oder Mitteilungsblätter z.B.:

`Hoch Hinaus` das Mitteilungsblatt des DCD (Drachen Club Deutschland) von 1985 bis 2005 oder auch das `Hamburger Flugblatt` der Drachengruppe Hamburg welches ab 1990 bis 2015 erschien. Für jedermann käuflich zu erwerben war ab 1989 das `DRACHENmagazin`                                                                                         

Alternativ dazu etwas später `SPORT & DESIGN drachen`, welches aus der Sonderpublikation `Drachen` der Zeitschrift `Flug und Modellbau` im vth (Verlag für Technik und Handwerk) entstand und ab Juni 1993 regelmäßig erschien.

Beide Blätter fusionierten im März 1999 zu `SPORT & DESIGN drachen`.

Ab diesem Jahr gab es dann auch erstmals die`KITE & friends`

Auf Grund der immer weiter schrumpfenden Nachfrage ging 2009 `SPORT & DESIGN drachen` wiederum in der `KITE & friends` auf so dass heute nur noch eine Drachenzeitschrift erhältlich ist.

 

Baupläne

In der heutigen Zeit wird gerade Anfängern der Einstieg in den Eigenbau, nicht nur, von Drachen wesentlich vereinfacht denn es reichen oft nur wenige Klicks im Internet um an eine Vielzahl von Bauanleitungen zu gelangen. Hilfe sowie irgendwelche Kniffe und Tricks gibt es auch in Drachenforen. Daran war vor einigen Jahren noch nicht zu denken und so war es um einiges schwieriger solche Informationen zu bekommen. So musste zwangsläufig mehr experimentiert und improvisiert werden was wiederum auch nicht nur schlechte Seiten hatte. Baupläne gab es zunächst nur in Drachenbüchern. Zu meinen Lieblingsautoren zählten dabei u.a. Werner Backes, Wolfgang Schimmelpfennig und Rainer Neuner. Später waren dann ab und zu auch welche in den oben genannten Zeitschriften enthalten. Oder aber in den Drachenfachgeschäften wo man gleichzeitig das benötigte Material dazu kaufen konnte.

                                                                        

Diese Anleitungen waren aber sehr knapp gehalten und beschränkten sich auf das Nötigste. Teils waren es auch nur reine Stücklisten. Kein Vergleich zu den äußerst detaillierten Bauplänen, inkl. Nähanleitungen, welche heutzutage z.B. Bernhard Dingwerth (http://www.drachenbernhard.de/bauplaene.html) freundlicherweise dem geneigten Drachenbauer bzw. der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Ohne Solche hätte ich mich wohl nicht an die stablosen Figurendrachen wie Frosch, Papagei und Co. herangetraut.